Von der Planlosigkeit

Ich hatte bis vor wenigen Jahren immer irgendeinen Plan. Schule, 6 Jahre Studium, danach Arbeiten. Während ich liiert war, kamen noch Heiraten und Kinder dazu. Lange war meine Zukunft mehr oder weniger klar umrissen. Und auch ich durfte erleben, dass es anders kommt.

Ich wurde mehrmals gekündigt, lernte den Arbeitsmarkt als zunehmend unsicher kennen, fand keine geeignete Stelle in meiner Heimat, meine Langzeitbeziehung ging in die Brüche und der Plan hatte sich in Luft aufgelöst.

Und ich habe mir nie die Mühe gemacht, mir einen neuen zu überlegen. Als ich jünger war, hatte ich das Bedürfnis zu wissen, wo es hin gehen soll. Der Gedanke einer unbekannten Zukunft trieb mich in den Wahnsinn. Das hat sich merkwürdigerweise geändert.

Ich habe keine Ahnung, was kommen wird. Ob ich in zehn Jahren noch hier sein werde oder irgendwo anders, spielt komischerweise keine Rolle. Was ich arbeiten werde, ob und mit wem ich zusammen sein werde – wer weiß.  Manchmal denke ich, ein Mensch braucht einen Plan, wenigstens beruflich. Um nicht einfach nur den Tag abzuarbeiten. Der Gedanke hatte bisher allerdings keinerlei Konsequenzen. Meistens genieße ich das Sich-treiben-lassen. Aber wie viel Zeit bleibt mir noch dafür? Müsste ich jetzt nicht eigentlich irgendwelche Weichen stellen? Viele meiner Kommilitonen führen mittlerweile hochtrabende Titel. Um mich herum wird fleißig geheiratet und sich vermehrt. Mehr und mehr Menschen meiner Generationen haben sich festgelegt. Auf einen Wohnort, auf einen Partner, auf ein Leben. Langfristige Bindungen, mit denen Pläne einhergehen.

Ich schwebe irgendwie immer noch frei im Raum. Hier habe ich eine Arbeit, ein zu Hause und ein paar Freunde. Trotzdem fühle ich mich nur lose gebunden, könnte nächstes Jahr schon ganz woanders sein. Es kommt vor, dass ich mir darüber Sorgen mache. Das ich mich frage, ob ich diesen Punkt womöglich nie erreichen werde. Dieses Gefestigt-sein, dieses Sich-niederlassen. Aber was bringt es, sich davor zu ängstigen? Ich bin, wo ich bin, aufgrund meiner Entscheidungen. (Von denen ich keine bereue.) Und glücklicherweise gehöre ich nicht zu den Frauen, die auf Teufel-komm-raus heiraten und Kinder kriegen müssen. Ich freunde mich mit dem Gedanken an, dass mir das vielleicht nie passieren wird. Und flippe nicht aus dabei. Vielleicht kommt das noch.

Nein, die meiste Zeit schaue ich mich erstaunt um. Fasziniert davon, wohin es mich verschlagen hat (hin und wieder auch im negativen Sinn) und wie sich alles entwickelt hat. Überwiegend habe ich den Eindruck bisher Glück gehabt zu haben. Und vor allem wundere ich mich über meine Gelassenheit im Bezug auf meine grenzenlose Planlosigkeit.

Ein Gedanke zu „Von der Planlosigkeit

  1. daslandei

    Erhalte Dir diese Gelassenheit auf jeden Fall! Du klingst wirklich sehr entspannt damit – dann genieße es. Mein Leben hat mich bis jetzt gelehrt, dass es doch immer anders kommt als man denkt, es helfen ja alle Pläne nichts, wenn das Gegenüber, welches es ja bei den meisten Plänen gibt (Arbeitgeber, Partner etc…) einen anderen Plan hat. Oder einen ähnlichen hatte, den aber dann umschmeißt. Wenn Du Dich damit wohlfühlst, dann find ich das wirklich ganz prima!

    Ganz ehrlich – lieber so, als mit Mitte 20 schon total festgefahren!

    Antwort

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