Ein Landwirt über seine Kuh

Eine hochtragende Kuh wurde schwer krank. Wir konnten nur Vermutungen über die Ursache anstellen, aber es war mit Sicherheit lebensbedrohlich. Die Landwirtin entschied sich gegen einen vielleicht aussichtslosen Therapieversuch und für den Schlachter. Sehr traurig war sie,

betonte die gute Abstammung und dass es ja auch erst das zweite Kalb gewesen sei.

Dann sagte sie: „Ich hatte mich so darauf gefreut, sie zu melken.“

Sicherlich klingt dieser Satz mehr nach Auto als nach Lebewesen. Aber mir hat er gezeigt, dass diese Kuh nicht einfach zu ersetzen sein wird. Und das ist viel wert. Mich hat dieser Satz gefreut.

6 Gedanken zu „Ein Landwirt über seine Kuh

  1. daslandei

    Ja, sowas ist für „Aussenstehende“ immer schwer nachzuvollziehen – aber wir dürfen die Wirtschaftlichkeit leider auch nicht aus den Augen lassen. Ich kann die Entscheidung gut nachvollziehen – aber weh tut es immer…

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      1. frauhilde

        In dem Fall bin ich die „Außenstehende“.
        Aber ich kann schon ungefähr verstehen, was die Landwirtin ausdrücken wollte.
        Für mich klingt es natürlich per se erstmal herzlos. Aber ich verdiene auch nicht mein Geld damit und muss wirtschaftlich denken, insofern hab ich’s natürlich einfach, das Näschen zu rümpfen (was ich hiermit aber auch nicht getan haben möchte!).

  2. psychoberta Autor

    Ich freue mich sehr über deinen Kommi, weil ich verstärkt den Eindruck habe, dass die meisten Menschen, die als ‚Außenstehende‘ zu bezeichnen sind, lieber mit dieser Nieder-mit-der-deutschen-Viehwirtschaft-Welle schwimmen, als auch nur zu versuchen, die andere Seite zu verstehen. (Das zu ändern war ein Zweck dieses Blogs). Vielleicht unterschätze ich da meine Mitmenschen. Oder diese Leute schreien einfach nur lauter. 😉

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  3. daslandei

    Ich freue mich auch über diesen Kommentar – denn es ist als Nutztierhalter auch nicht ganz leicht, an die „einfache“ Meinung eines „einfachen“ Außenstehenden zu kommen – und die möchte ich aber hören, möchte wissen, was weiß mein Gegenüber, was stellt er sich vor. Wo kann ich ihm zeigen, dass es nicht so ist, wie er denkt und wo, dass es eben genauso ist. Ja, ich muss auch unpopuläre Entscheidungen treffen, die manchmal auf den ersten Blick herzlos aussehen mögen. Das gehört zu meinem Beruf (wie zu jedem anderen Beruf auch) dazu. Es geht hier um Lebewesen, deshalb habe ich ihnen gegenüber eine noch viel größere Verantwortung.

    Meist schlagen wir uns mit dieser „Dagegen-Welle“ rum. Und leider ist da auch keine Kommunikation möglich. Ich versuche auch aufzuklären, wo und wie es geht.

    Ich habe letztens in einem Gespräch am Nachbartisch mitbekommen, wie sich die Leute über „frische Forelle“ auf der Karte gefreut haben. Ja, frische Forelle wollten sie haben. Dann haben sie das kleine Kästchen entdeckt, in dem stand, dass die Forellen nach der Bestellung dem Frischwasserbecken entnommen werde – große Entrüstung, na also DAS wollten sie ja dann nicht, dass sie Forellen extra für sie sterben müssten. Dann nehmen sie lieber den Seeteufel, der wäre ja eh schon tot. Das fand ich eine sehr merkwürdige Doppelmoral.

    Antwort
    1. psychoberta Autor

      OMG, manche Leute sind wirklich unfassbar. Manchmal würde ich mir wünschen, dass Schlachtungen etc. im Fernsehen gezeigt würden. Ich will die Leute nicht abschrecken. Ich will, dass es wieder normal wird, dass jeder weiß, woher das Fleisch auf seinen Teller kommt. Und dass auch der Weg – weil bekannt und vertraut – wieder normal wird (oder zumindest entkriminalisiert).

      Antwort

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